Warum ich mit der Nikon F2AS, der Nikon FM und der Nikon F4s fotografiert habe – und warum der Wechsel zur Leica M4-P für mich ein Fehler war
Warum ich mit der Nikon F2AS, der Nikon FM und der Nikon F4s fotografiert habe – und warum der Wechsel zur Leica M4-P für mich ein Fehler war.
Es gibt Kameras, die passen zu einem. Und es gibt
Kameras, die man bewundert, vielleicht sogar liebt – aber die am Ende trotzdem
nicht die richtigen Werkzeuge für die eigene Fotografie sind. Genau das war bei
mir der Fall.
Ich habe lange und mit Überzeugung mit der Nikon
F2AS, der Nikon FM und der Nikon F4 fotografiert. Diese drei
Kameras stehen für drei unterschiedliche Stärken, aber alle drei hatten etwas
gemeinsam: Sie waren für mich verlässliche Arbeitsgeräte. Sie lagen richtig in
der Hand, sie funktionierten so, wie ich es von einer Kamera erwartete, und sie
gaben mir das Gefühl, mich ganz auf das Bild konzentrieren zu können.
Dann kam der Wechsel zur Leica M4-P,
zusammen mit den Summicron 50mm, Summicron 35mm und dem Elmar
90mm. Auf dem Papier klang das nach einem Traum. Leica, Messsucher,
legendäre Objektive, reduzierte Fotografie, Konzentration auf das Wesentliche.
Es war die Art von Wechsel, die viele Fotografen irgendwann zumindest
gedanklich einmal durchspielen.
Für mich war es am Ende jedoch ein Fehler.
Nicht, weil Leica grundsätzlich schlecht wäre.
Nicht, weil die Objektive schlecht gewesen wären. Sondern weil die Praxis für
mich etwas völlig anderes zeigte als die romantische Vorstellung, die ich
vorher davon hatte. Vor allem aber, weil ich erst mit dem Wechsel gemerkt habe,
wie gut mein altes Nikon-System wirklich zu meiner Art zu fotografieren passte.
Warum ich die
Nikon F2AS, Nikon FM und Nikon F4 so geschätzt habe
Die Nikon F2AS war für mich eine Kamera
mit Substanz. Sie hatte Gewicht, Präsenz und eine fast kompromisslose
mechanische Ernsthaftigkeit. Wenn ich sie in der Hand hielt, wusste ich: Das
ist ein Werkzeug. Keine Pose, keine Nostalgie als Selbstzweck, sondern echte
Funktion. Die F2AS vermittelte Sicherheit. Sie war robust, klar aufgebaut und
für mich im besten Sinne direkt.
Die Nikon FM war wiederum die kompaktere,
unauffälligere und schnellere Begleiterin. Sie hatte nicht die Wucht der F2AS,
aber genau darin lag ihre Stärke. Sie war mechanisch, zuverlässig und auf eine
wunderbare Weise reduziert. Eine Kamera, die man einfach mitnimmt, benutzt und
der man vertraut. Kein Übermaß, kein Ballast, sondern Konzentration auf das
Wesentliche.
Die Nikon F4 schließlich war ein anderes
Kapitel. Sie war moderner, größer, technischer, aber genau dadurch für viele
Situationen unglaublich effizient. Autofokus, bessere Ergonomie für bestimmte
Einsätze, schnellere Abläufe – sie war für mich der Beweis, dass Nikon den
Übergang von klassischer Mechanik zur modernen Kamera beherrschte, ohne dabei
die fotografische Ernsthaftigkeit zu verlieren.
Diese drei Kameras deckten zusammen für mich fast
alles ab, was ich brauchte. Die F2AS für das kompromisslose, klassische
Arbeiten. Die FM für die leichte, mechanische Klarheit. Die F4 für Tempo,
Komfort und moderne Arbeitsweise. Rückblickend war das kein zufälliges
Ensemble, sondern ein System, das perfekt zu meiner Fotografie passte.
Der Reiz der
Leica M4-P: Warum ich überhaupt gewechselt habe
Natürlich hatte Leica für mich eine große
Anziehungskraft. Das muss man offen sagen. Die Leica M4-P trägt genau
dieses Versprechen in sich, das viele Fotografen fasziniert: weniger Technik
zwischen Auge und Motiv, kleinere Kamera, leisere Arbeitsweise, legendäre
Objektive und eine Art von fotografischer Reinheit, die fast schon mythisch
aufgeladen ist.
Dazu kamen die Objektive. Ein Summicron 35mm,
ein Summicron 50mm und ein Elmar 90mm lesen sich wie ein
klassisches Traumset. Es sind Brennweiten, mit denen man fast alles machen
kann: Reportage, Alltag, Porträt, Straße, Reise, Details. In der Vorstellung
wirkte das wie ein eleganterer, konzentrierterer und vielleicht sogar
„reinerer“ Weg der Fotografie.
Genau darin lag aber für mich auch die Falle.
Ich habe nicht nur die Kamera gewechselt. Ich
habe unbewusst auch eine fotografische Philosophie übernommen, die in meinem
Kopf größer war als in meiner tatsächlichen Praxis. Ich dachte, die Leica würde
mich näher an das Wesentliche bringen. Tatsächlich brachte sie mich zunächst
einmal weiter weg von der Selbstverständlichkeit, die ich mit Nikon hatte.
Warum die
Leica M4-P für mich in der Praxis nicht funktioniert hat
Das größte Problem war nicht ein einzelner
Defekt, sondern das Zusammenspiel mehrerer Dinge. Die Kamera fühlte sich für
mich nicht wie eine natürliche Verlängerung meines Blicks an, so wie es die
Nikon-Gehäuse taten. Ich musste mich stärker anpassen. Ich musste bewusster mit
dem Messsucher arbeiten. Ich musste anders denken, anders fokussieren, anders
komponieren.
Das wäre noch kein Problem gewesen, wenn der Rest
des Systems mir dafür absolute Zuverlässigkeit gegeben hätte. Genau das war
aber in meinem Fall nicht so.
Bei meinem Leica-M4-P-Gehäuse löste sich die
Belederung. Das mag für manche nur ein kosmetischer Mangel sein, aber für
mich war es mehr als das. Es nahm der Kamera genau jene Solidität, die ich von
ihr erwartet hatte. Gerade bei einer Kamera, die für Präzision, Qualität und
Dauerhaftigkeit steht, wirkt so etwas nicht wie eine Kleinigkeit. Es verändert
das Vertrauen in das Objekt.
Noch gravierender war, dass sich im Messsucher
Kondenswasser bildete. Und genau da beginnt für mich der eigentliche Bruch.
Ein Messsucher ist kein nebensächliches Detail. Er ist das Zentrum der gesamten
Arbeitsweise dieser Kamera. Wenn dort Kondenswasser auftritt, ist nicht einfach
nur ein Komfortmerkmal eingeschränkt – dann wird das Herzstück des Systems
beeinträchtigt.
In solchen Momenten wurde mir schmerzhaft klar,
wie sehr ich mich auf die Sucher meiner Nikon-Kameras verlassen hatte. Eine
Nikon F2AS, eine Nikon FM oder eine Nikon F4 mögen auf dem Papier weniger
„mythisch“ wirken als eine Leica M4-P. Aber in meiner Erfahrung waren sie
schlicht die verlässlicheren Kameras. Und Verlässlichkeit ist in der Fotografie
nicht irgendeine Nebensache. Sie ist oft wichtiger als Prestige, Mythos oder
Markenimage.
Das Problem
war nicht Leica als Idee – sondern Leica in meiner Realität
Mir ist wichtig, das sauber zu sagen: Dieser Text
ist keine pauschale Abrechnung mit Leica. Es gibt genügend Fotografen,
die mit der Leica M4-P großartige Arbeit leisten oder geleistet haben. Und die Summicron-Objektive
sowie das Elmar 90mm haben ihren Ruf nicht ohne Grund.
Aber eine Kamera wird nicht dadurch die richtige
Kamera, dass sie historisch bedeutend ist oder bei anderen hervorragend
funktioniert. Die entscheidende Frage ist immer: Passt sie zu mir, zu meiner
Arbeitsweise und zu meinem fotografischen Alltag?
Bei mir war die Antwort am Ende nein.
Ich habe gemerkt, dass ich mit Nikon nicht nur
aus Gewohnheit fotografiert hatte, sondern weil dieses System meinen
Bedürfnissen entsprach. Ich wollte durch den Sucher arbeiten, ohne ständig über
die Technik nachdenken zu müssen. Ich wollte mich auf Robustheit verlassen. Ich
wollte Kameras, die sich nicht wie eine Idee anfühlen, sondern wie Werkzeuge.
Die Leica M4-P war für mich stärker ein
Versprechen als eine Lösung.
Warum Nikon
für mich das bessere Werkzeug war
Was Nikon für mich ausmachte, war nicht nur
Technik, sondern Vertrauen. Ich wusste, wie sich eine Nikon verhält. Ich
wusste, wie ich mit ihr arbeite. Ich wusste, dass sie mir nicht im
entscheidenden Moment ein ungutes Gefühl gibt.
Die F2AS war massiv und kompromisslos.
Die FM war ehrlich, leicht und präzise.
Die F4 war schnell, modern und effizient.
Zusammen bildeten sie eine fotografische Heimat.
Jede auf ihre Weise. Und vor allem: Keine dieser Kameras zwang mich, mir selbst
einzureden, dass ich mich nur noch „umgewöhnen“ müsse, bis es irgendwann passt.
Sie passten bereits.
Mit der Leica M4-P war das anders. Ich musste mir
zu oft erklären, warum ich mit ihr eigentlich glücklich sein sollte. Und sobald
man bei einer Kamera beginnt, ihre Schwächen mit ihrer Aura zu rechtfertigen,
stimmt meistens etwas Grundsätzliches nicht mehr.
Die Objektive:
Summicron 35, Summicron 50 und Elmar 90 – großartig, aber nicht genug
Die Objektive auf der Leica-Seite waren ohne
Zweifel attraktiv. Ein 35mm Summicron ist eine klassische
Reportagebrennweite. Ein 50mm Summicron gehört für viele zu den
schönsten Normalobjektiven überhaupt. Das Elmar 90mm ergänzt das Set
sinnvoll in Richtung Porträt und Distanz.
Doch auch gute Objektive können ein Systemproblem
nicht lösen. Wenn das Gehäuse nicht vollständig überzeugt, wenn das
Suchersystem nicht das Vertrauen schafft, das ich brauche, dann helfen mir auch
hervorragende Linsen nur begrenzt weiter.
Das war eine wichtige Erkenntnis für mich. Viele
Fotografen betrachten zuerst die Objektive und erst danach das Gehäuse. In
Wahrheit ist das Zusammenspiel entscheidend. Ein starkes Objektiv an einem
Gehäuse, zu dem man keine Beziehung findet oder dem man nicht vertraut, ist für
die tägliche Praxis oft weniger wert als ein in sich stimmiges Gesamtsystem.
Genau das hatte ich mit Nikon. Und genau das
hatte ich mit der Leica M4-P in meiner Situation nicht.
Was ich aus
dem Wechsel gelernt habe
Der Fehler war nicht, neugierig zu sein. Der
Fehler war auch nicht, Leica auszuprobieren. Der eigentliche Fehler war, zu
unterschätzen, wie wichtig Passung in der Fotografie ist.
Nicht jede berühmte Kamera ist automatisch die
richtige Kamera.
Nicht jedes prestigeträchtige System ist automatisch ein Fortschritt.
Und nicht jede Reduktion ist automatisch eine Verbesserung.
Ich habe gelernt, dass meine Fotografie nicht
davon profitiert, wenn ich mich an ein System anpassen muss, das mich mehr
beschäftigt als unterstützt. Ich brauche Kameras, die mir Ruhe geben. Kameras,
die sich unauffällig in den Prozess einfügen. Kameras, deren Qualität ich nicht
ideologisch glauben muss, sondern praktisch erfahre.
Die Nikon F2AS, die Nikon FM und die Nikon F4
konnten genau das.
Warum ich
heute anders auf den Mythos Leica schaue
Leica hat ohne Zweifel einen enormen Reiz. Aber
ich sehe diesen Reiz heute nüchterner. Früher hätte ich vielleicht gedacht,
dass eine Leica automatisch eine Form der fotografischen Veredelung bedeutet.
Heute sehe ich das deutlich differenzierter.
Eine Kamera ist kein Charaktertest. Sie macht
niemanden zum besseren Fotografen, nur weil sie teurer, ikonischer oder
reduzierter ist. Sie ist ein Werkzeug. Und Werkzeuge müssen funktionieren,
verlässlich sein und zur eigenen Praxis passen.
In meinem Fall war die Leica M4-P genau an diesem
Punkt enttäuschend. Die sich lösende Belederung und das Kondenswasser im
Messsucher waren keine theoretischen Debatten aus Foren, sondern konkrete
Erfahrungen. Sie haben die Kamera für mich nicht nur emotional beschädigt,
sondern praktisch entwertet.
Deshalb war der Wechsel für mich ein Fehler.
Nicht als allgemeine Aussage über Leica. Aber ganz klar als Aussage über meinen
eigenen Weg.
Fazit: Warum
ich lieber bei Nikon hätte bleiben sollen
Rückblickend hätte ich bei meinen Nikon-Kameras
bleiben sollen. Die Nikon F2AS, die Nikon FM und die Nikon F4
waren für mich keine Übergangsstationen, sondern bereits die richtigen
Werkzeuge. Sie waren robust, verlässlich, fotografisch klar und in meinem
Alltag überzeugend.
Der Wechsel zur Leica M4-P mit Summicron
35mm, Summicron 50mm und Elmar 90mm wirkte zunächst wie ein
Schritt nach vorn. Tatsächlich war er für mich ein Schritt weg von dem, was
meine Fotografie ausmachte. Die sich lösende Belederung und das Kondenswasser
im Messsucher waren am Ende nicht bloß technische Ärgernisse, sondern sichtbare
Zeichen dafür, dass dieses System für mich nicht die erhoffte Lösung war.
Manchmal erkennt man den Wert eines Systems erst
dann vollständig, wenn man es verlassen hat. Bei mir war das so. Erst durch den
Wechsel habe ich verstanden, wie viel mir Nikon gegeben hatte: Sicherheit,
Direktheit, Verlässlichkeit und das gute Gefühl, mit einer Kamera zu arbeiten,
die einfach zu mir passt.
Und genau deshalb war es für mich ein Fehler, die
Nikon F2AS, die Nikon FM und die Nikon F4 gegen die Leica M4-P zu tauschen.
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