Kampf der Titanen: Hasselblad X2D II 100C vs. Fujifilm GFX100 II

 

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Kampf der Titanen: Hasselblad X2D II 100C vs. Fujifilm GFX100 II

In der Welt des digitalen Mittelformats stehen wir aktuell vor einem spannenden Duell zweier Giganten. Auf der einen Seite die Fujifilm GFX100 II, das vielseitige Schweizer Taschenmesser, und auf der anderen die im August 2025 erschienene Hasselblad X2D II 100C, die schwedische Puristin.

Beide teilen sich die beeindruckende Auflösung von rund 100 Megapixeln auf einem 44 x 33 mm Sensor, verfolgen aber grundverschiedene Philosophien.


1. Hasselblad X2D II 100C: Die Seele der Fotografie

Hasselblad hat mit der "Mark II" die Kritikpunkte des Vorgängers gezielt eliminiert. Die größte Revolution ist die Integration der DJI LiDAR-Technologie.

  • Autofokus-Revolution: Durch den LiDAR-Sensor (Light Detection and Ranging) misst die Kamera Entfernungen aktiv mit Laserlicht. Das Ergebnis? Ein Autofokus, der selbst bei völliger Dunkelheit blitzschnell sitzt – eine Disziplin, in der Mittelformatkameras früher oft scheiterten. Erstmals gibt es bei Hasselblad auch einen brauchbaren AF-C (kontinuierlichen AF) mit Deep-Learning-basierter Erkennung für Menschen, Tiere und Fahrzeuge.
  • Der "Hasselblad Look": Dank der Hasselblad Natural Colour Solution (HNCS) liefert die Kamera 16-Bit-Farbtiefen mit einem Dynamikumfang von 15,3 Blendenstufen. Die Farben sind so organisch und realitätsnah, dass die Nachbearbeitung oft nur noch ein Feinschliff ist.
  • IBIS-König: Mit einer Stabilisierung von bis zu 10 Blendenstufen ist die X2D II die aktuell führende Kamera für handgehaltene Aufnahmen. Man kann Belichtungszeiten von mehreren Sekunden aus der Hand halten – ein Stativ wird fast optional.
  • Workflow: Die interne 1TB SSD ist ein Gamechanger. Man braucht keine SD-Karten mehr (auch wenn ein CFexpress-Slot vorhanden ist), und die Schreibgeschwindigkeiten sind schneller als bei fast jedem externen Speichermedium.

2. Fujifilm GFX100 II: Die High-Tech-Maschine

Die GFX100 II ist die Wahl für Profis, die maximale Flexibilität in einem modernen Produktionsumfeld benötigen.

  • Video-Powerhouse: Während Hasselblad Video komplett ignoriert, glänzt die Fuji mit 8K/30p und ProRes 422 HQ interner Aufnahme. Für Hybrid-Creatives, die morgens ein Kampagnen-Shooting und nachmittags einen Werbespot drehen, gibt es keine Alternative.
  • Modularität & EVF: Der elektronische Sucher mit 9,44 Mio. Bildpunkten ist nicht nur schärfer, sondern auch abnehmbar oder neigbar (mit Adapter). Das macht die Kamera im Studio extrem anpassungsfähig.
  • Geschwindigkeit: Mit bis zu 8 Bildern pro Sekunde (Hasselblad schafft nur 3 fps) ist die Fuji deutlich eher für Reportage oder sogar kontrollierte Action-Szenen geeignet.

Der Objektiv-Check: Leaf Shutter vs. Focal Plane

Dies ist der technisch wichtigste Unterschied für Studio-Fotografen:

  • Hasselblad (Zentralverschluss): Der Verschluss sitzt im Objektiv. Vorteil: Blitzsynchronisation bis zu 1/4000s. Du kannst bei prallstem Sonnenlicht mit Offenblende blitzen, ohne teure HSS-Lösungen, die Leistung fressen.
  • Fujifilm (Schlitzverschluss): Der Verschluss sitzt im Gehäuse. Vorteil: Die Objektive sind oft kompakter und günstiger. Nachteil: Die native Blitzsynchronzeit liegt bei ca. 1/125s.

Kosten-Check (Preise Stand März 2026)

Mittelformat ist eine Investition. Hier ist ein Vergleich der aktuellen Marktpreise für die Gehäuse und drei vergleichbare Objektiv-Typen:

Komponente

Hasselblad System (XCD)

Fujifilm System (GF)

Kameragehäuse (Body)

ca. 7.200 €

ca. 8.299 €

Standard-Festbrennweite

ca. 3.560 € (XCD 55V f/2.5)

ca. 1.850 € (GF 55mm f/1.7)

Weitwinkel-Zoom

ca. 5.699 € (XCD 20-35E)

ca. 2.799 € (GF 20-35mm f/4)

Portrait-Tele

ca. 4.059 € (XCD 90V f/2.5)

ca. 1.750 € (GF 110mm f/2)

Gesamtpreis (Set)

ca. 20.518 €

ca. 14.698 €

Hinweis: Hasselblad hat die Gehäusepreise für die Mark II im Vergleich zum Vorgänger leicht gesenkt, um wettbewerbsfähiger zu sein, während Fujifilm aufgrund von Zöllen und Inflation die Preise für die GFX-Serie leicht angehoben hat.


Fazit: Gefühl vs. Funktion

Die Hasselblad X2D II 100C ist ein Instrument für Künstler. Sie ist haptisch überlegen, bietet das schönere Interface und die besseren Farben "out of camera". Die LiDAR-Unterstützung hat sie endlich alltagstauglich gemacht.

Die Fujifilm GFX100 II ist das Werkzeug für Dienstleister. Sie ist schneller, kann Video, hat das größere Objektivangebot und ist im Gesamtsystem deutlich günstiger.

Für wen entscheidest du dich? Den schwedischen Minimalismus oder die japanische High-Tech-Power?

Objektiv-Empfehlungen: Die Besten ihrer Klasse

1. Architektur- & Landschaftsfotografie

In diesem Bereich zählen Verzeichnungsfreiheit, Randschärfe und – im Falle von Hasselblad – die Kompaktheit für Wanderungen.

Genre

Hasselblad (XCD System)

Fujifilm (GF System)

Ultra-Weitwinkel

XCD 20-35mm f/3.2-4.5 E: Ein technisches Wunderwerk. Es ist das erste Zoom der "E"-Serie und bietet Festbrennweiten-Qualität über den gesamten Bereich.

GF 20-35mm f/4 R WR: Sehr leicht, extrem scharf und deutlich preiswerter als die Hasselblad-Option.

Die Referenz

XCD 28mm f/4 P: Winzig, federleicht und perfekt für weite Landschaften, wenn man kein Zoom mitschleppen will.

GF 23mm f/4 R LM WR: Entspricht ca. 18mm KB. Nahezu null Verzeichnung, ideal für Innenarchitektur.

Spezial-Tipp

Kein Tilt-Shift verfügbar (nur via Adapter).

GF 30mm f/5.6 T/S: Ein natives Tilt-Shift-Objektiv. Für Architektur-Profis oft der alleinige Grund für den Kauf von Fuji.

Pro-Tipp: Wenn du Architektur fotografierst, gewinnt Fujifilm durch das native Tilt-Shift-Objektiv, da du stürzende Linien direkt optisch korrigieren kannst, ohne Auflösung durch Software-Entzerrung zu verlieren.


2. Portrait- & Fashionfotografie

Hier geht es um das "Bokeh" (die Qualität der Unschärfe) und die Trennung des Motivs vom Hintergrund.

Genre

Hasselblad (XCD System)

Fujifilm (GF System)

Das Bokeh-Monster

XCD 90mm f/2.5 V: Dank Zentralverschluss kannst du bei Offenblende und 1/4000s blitzen. Das Bokeh ist butterweich und "cremig".

GF 110mm f/2 R LM WR: Legendär für seine plastische Darstellung. Es ist etwas lichtstärker als das Hasselblad-Pendant.

Modern Classic

XCD 55mm f/2.5 V: Die perfekte "Normalbrennweite" für Ganzkörper-Portraits mit wunderschönem Look.

GF 55mm f/1.7 R WR: Die aktuell lichtstärkste Option im System. Erzeugt einen fast schon magischen Look bei Offenblende.

Studio-Workhorse

XCD 120mm f/3.5 Macro: Extrem scharf, perfekt für Beauty-Close-ups und Schmuck.

GF 120mm f/4 Macro R: Ebenfalls ein Makro, sehr präzise, aber mit Schlitzverschluss-Einschränkung beim Blitzen.

Pro-Tipp: In der Fashion-Fotografie ist Hasselblad der König. Der Zentralverschluss erlaubt es dir, das Umgebungslicht (Sonne) durch extrem kurze Blitzsynchronzeiten komplett auszuschalten und nur dein Model zu beleuchten. Bei Fuji müsstest du dafür auf HSS (High-Speed-Sync) ausweichen, was die Blitzleistung massiv reduziert.


Zusammenfassung der Investition

Wenn du dich für ein System entscheidest, kaufst du nicht nur eine Kamera, sondern ein Ökosystem:

  • Hasselblad ist teurer, aber wertbeständiger. Die Objektive der V-Serie (mit dem orangen "V") haben haptisch einen mechanischen Fokus-Ring mit Skala, was das Arbeiten sehr hochwertig macht.
  • Fujifilm bietet mehr Auswahl (z.B. das Tilt-Shift oder extreme Tele-Objektive wie das 500mm), was das System für Wildlife- oder Sportfotografen überhaupt erst nutzbar macht.

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