Infrarot-Umbau: Deine Fujifilm und die unsichtbare Welt des „Wood-Effekts“

 

 

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Infrarot-Umbau: Deine Fujifilm und die unsichtbare Welt des „Wood-Effekts“

Während sich die meisten Fotografen nächtelang in Foren über das perfekte Rauschverhalten bei ISO 6400 oder die akkurateste Farbwiedergabe streiten, gibt es eine Gruppe von Enthusiasten, die ihre Kamera erst einmal radikal „zerstören“, um sie neu zu erfinden.

Die Rede ist vom Infrarot-Umbau. Wer eine alte Fujifilm (wie die legendäre X-E1) in eine IR-Maschine verwandelt, fotografiert nicht mehr nur das, was da ist – sondern das, was für das menschliche Auge eigentlich unsichtbar bleibt. Willkommen in einer surrealen Parallelwelt.


1. Was passiert beim Infrarot-Umbau eigentlich?

Jede digitale Kamera hat ab Werk einen sogenannten Hot-Mirror-Filter direkt vor dem Sensor sitzen. Dieser Filter hat eine einzige Aufgabe: Er blockiert infrarotes Licht, damit die Farben so aussehen, wie wir sie gewohnt sind.

Beim Umbau wird dieser Filter entfernt und meist durch ein Glas ersetzt, das nur Lichtwellen oberhalb von 590nm, 720nm oder 850nm durchlässt. Das Ergebnis? Deine Kamera sieht plötzlich die Wärmestrahlung und das reflektierte IR-Licht der Umgebung.

Warum gerade die Fujifilm X-E1?

Blogs wie Qimago oder die Arbeiten von Matthias Haltenhof zeigen oft die X-E1 als Basis. Warum?

  • Der Sensor: Der alte 16MP X-Trans I Sensor liefert eine fast schon organische Textur, die perfekt zum IR-Look passt.
  • Der Preis: Man bekommt sie gebraucht günstig – ideal für ein Experiment, bei dem man die Hardware modifiziert.
  • Der Sucher: Dank des elektronischen Suchers (EVF) siehst du das Infrarot-Bild in Echtzeit. Bei einer Spiegelreflexkamera wäre der Sucher einfach stockfinster.

2. Der „Wood-Effekt“: Wenn der Sommer zum Winter wird

Das markanteste Merkmal der Infrarot-Fotografie ist der sogenannte Wood-Effekt (benannt nach dem Physiker Robert W. Wood, nicht nach dem Material Holz).

Chlorophyll in Pflanzen reflektiert infrarotes Licht extrem stark. Auf deinen Fotos führt das dazu, dass saftig grüne Blätter und Wiesen plötzlich strahlend weiß erscheinen, als wären sie mit feinstem Puderzucker oder Schnee überzogen.

Das visuelle Ergebnis:

  • Blätter & Gras: Schneeweiß und leuchtend.
  • Der Himmel: Tiefschwarz bis dunkelblau (da die Atmosphäre kaum IR-Licht streut).
  • Wasser: Wirkt oft wie eine dunkle, spiegelglatte Tinte.
  • Haut: Erscheint extrem glatt und fast schon porzellanartig (Vorsicht: Adern unter der Haut können sichtbar werden!).

3. Die Hürden: Weißabgleich und Channel-Swap

Infrarot-Fotografie ist kein „Point-and-Shoot“. Wer den klassischen Look mit weißem Laub und blauem Himmel will, muss zwei Hürden nehmen:

  1. Der manuelle Weißabgleich: Du musst die Kamera auf eine grüne Fläche (die im IR ja weiß ist) abgleichen. Ohne diesen Schritt sieht alles einfach nur flau und rötlich aus.
  2. Der Kanal-Tausch (Channel Swap): Direkt aus der Kamera ist der Himmel oft rötlich-braun. In der Nachbearbeitung (Lightroom/Photoshop) tauscht man den roten und den blauen Farbkanal. Erst dann entsteht dieser ikonische Look mit dem tiefblauen Himmel und den weißen Bäumen.

4. Lohnt sich der Umbau 2026 noch?

Absolut. In einer Zeit, in der KI-generierte Bilder oft zu perfekt und glatt wirken, bietet die Infrarot-Fotografie eine echte, physikalische Andersartigkeit. Es ist kein Filter, den man einfach drüberlegt – es ist eine andere Art der Lichtmessung.

Umbau-Typ

Effekt

Schwierigkeit

720nm (Standard)

Klassischer Schwarz-Weiß IR-Look oder leichter Falschfarben-Look.

Medium

850nm (Deep IR)

Knallhartes Schwarz-Weiß, extrem hoher Kontrast.

Einfach (Post-Pro)

Full Spectrum

Die Kamera sieht alles. Filter werden vor das Objektiv geschraubt.

Flexibel, aber teuer


Fazit: Ein Trip ohne Drogen

Infrarot-Fotografie mit einer Fujifilm ist wie eine Einladung, die Welt neu zu entdecken. Vertraute Parks werden zu Geisterlandschaften, der Garten hinterm Haus wirkt wie ein fremder Planet. Wer noch eine alte X-Kamera im Schrank liegen hat, sollte den Gang zum Umbau-Service (z.B. Optic Makario oder ähnliche Spezialisten) ernsthaft in Erwägung ziehen.

„Infrarot ist die Kunst, das Unsichtbare so zu zeigen, als wäre es das Normalste der Welt.“

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